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Andreas Sassen (†): Alkoholisiert auf der Überholspur

Andreas Sassen

Als Andreas Sassen im Oktober 2004 an den Folgen eines Hirnschlags mit nur 36 Jahren stirbt, ist seine aktive Laufbahn als Fußballprofi schon lange beendet. Er habe “alles versoffen und verzockt”, so analysierte er nach dem Karriereende seine aktuelle Situation. Dabei hatte es mit dem Alkohol nicht erst angefangen, als der Ball ruhte. Andreas Sassen war schon früh dem Alkohol verfallen.

Bereits bei seinem Heimatverein Schwarz-Weiß Essen wurde der Neuprofi mit Anfang 20 zum ersten Mal mit Alkohol am Steuer erwischt. Bei einer Zechtour mit Mario Basler (“Marlboro-Mario”) wird Sassen von der Polizei angehalten. Die Alkoholprobe ergibt 1,9 Promille. Sassen muss seinen Führerschein erstmals abgeben, der Presse erklärt er jedoch, er habe den Führerschein nicht verloren, da er niemals einen besessen habe.

Sassen ist jedoch talentiert, er wird als Instinkt-Fußballer bezeichnet. Er wechselt in der Winterpause 1990/91 von Essen zu Bayer Uerdingen und gibt am 18. Spieltag gegen den 1.FC Nürnberg sein Bundesliga-Debüt. Fortan absolviert er alle Spiele für die Krefelder, kann jedoch den Abstieg seines Vereins nicht verhindern. Doch Sassen bleibt dem Werksverein treu, spielt ein Jahr in der 2.Bundesliga Nord und hat in seiner Position als Dreh- und Angelpunkt im Uerdinger Mittelfeld und mit 7 Toren in 31 Spielen einen großen Anteil am Wiederaufstieg ins Oberhaus. Auch die folgende Saison beginnt äußerst furios. Sassen erzielt 5 Tore in den ersten 9 Ligapartien, dann bremst ihn mal wieder ein Skandal. Mit seinem Teamkollegen Sergej Gorlukowitsch wird Sassen auf der Rückfahrt von einer Zechtour angehalten. Diesmal verliert der Russe seinen Führerschein und beide Spieler werden von Trainer Funkel für 3 Monate gesperrt. Die Saison endet also frühzeitig, Uerdingen steigt wieder ab und Sassen sucht sich einen neuen Verein.

 

Das fußballerische Hoch geht derweil auch beim Hamburger SV weiter. In der Saison 1992/93 macht Sassen 30 Spiele für die Rothosen und wird bei den Fans durch eine legendäre Aktion zum Kult-Kicker. Nach einer Tour über die Hamburger Reeperbahn sind Sassen und sein Teamkollege Harald Spörl alkoholisiert auf dem Nachhauseweg. Diesmal mit dem Taxi statt am Steuer, doch auch diese Fahrt endet unverhofft. Mit der Aussage “Fahr schneller, Ali!” will Sassen den türkischstämmigen Fahrer zur schnelleren Fahrt überreden, es kommt zu Handgreiflichkeiten und die Polizei muss schließlich eingreifen. Eine Strafanzeige, eine Abmahnung vom Klub sowie eine Geldstrafe in Höhe von 12.500 Mark sind das Resultat des Abends für den Mittelfeldmann. Aus dieser Zeit stammt der legendäre Gesang aus der Hamburger Fankurve “Taxifahrn mit Sassen”, der erst nach seinem Tod langsam verstummte.

Sassen wird mit Mitläufer beim HSV und geht zur Saison 1994/95 schließlich für 700.000 DM zu Dynamo Dresden, doch auch dieses Engagement beginnt anders als vom Verein erhofft. Bereits nach 13 Tagen wird Sassen wieder suspendiert, weil er zusammen mit Ersatztorwart Marc Schwarzer einen Kneipenbummel der Trainingseinheit vorgezogen hatte. Dieser war auf dem Heimweg alkoholisiert in einen Autounfall verwickelt und wieder endet der nächtliche Ausflug bei der Polizei. Sassen, damals teuerster Einkauf des Vereins, wird jedoch gezwungenermaßen eine zweite Chance eingeräumt, doch als er 1995 wieder Trainingseinheiten schwänzt, hat Trainer Hrubesch genug. Sassen wird an Dnjepr Dnjepropetrowsk abgegeben, seine neue Heimat ist die Ukraine.

Nach einem halben Jahr bekommt “Wodka-Andy” eine letzte Chance bei Zweitligist Wattenscheid 09. Doch auch hier gelingt es ihm, nach einer mittelmäßigen Hinrunde einen für ihn adäquaten Abgang aus Wattenscheid und damit endgültigem Ende seiner Karriere hinzulegen und dabei alle bereits geschehenen Skandale nochmals zu übertreffen. Im Trainingslager an der Algarve, bei dem sich Wattenscheid für die Rückrunde vorbereiten will, brennt Sassen mit einer niederländischen Bardame durch und wird für einige Tage als vermisst gemeldet. Die Mannschaft tritt ohne ihn die Rückreise nach Deutschland an, während dort Sassens Frau mit dem neu geborenen gemeinsamen Kind sitzt. Sassen wird erneut entlassen und findet keinen neuen Arbeitgeber. Zu viele Skandale hat er sich geleistet, so dass ihn kein Verein mehr aufnehmen will. Die Karriere endet nach 79 Erst- und 48 Zweitligapartien. Der begnadete und vielseits gelobte Mittelfeldtechniker hat sich selbst um eine große Laufbahn gebracht.

Ohne Familie, Freunde und Aufgaben lebt Sassen in Folge trostlos in Essen. Er arbeitet als Hilfsgärtner und gerät 1996 erneut in die Schlagzeilen, als er mit einer Gaspistole eine Gaststätte überfällt und sich mit Polizisten prügelt. Im Jahr 2004 stirbt Sassen an den Folgen eines Gehirnschlags. Andreas Sassen führte ein Leben auf der Überholspur, zog den Alkohol dem Training vor und verbaute sich somit eine große Karriere. R.I.P.

Das ist Andreas Sassen

Geburtstag: 14. Januar 1968 – † 17. Oktober 2004
Nationalität:
Deutschland
Bundesligavereine:
Bayer Uerdingen, Hamburger SV, Dynamo Dresden
Bundesligaspiele:
79
Bundesligatore:
6
Länderspiele:
0
Länderspieltore:
0
Platzverweise: 1
Titelgewinne:

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Autor: David Gohla

Ich arbeite im digitalen Produktmanagement und bin an mehreren Medienprojekten beteiligt. kult-kicker.de betreibe ich nebenbei als Hobby. Man findet mich auf twitter, facebook oder Xing.

  • http://www.facebook.com/michael.kirchner.754 Michael Kirchner

    Ein Super Talent

    Schoß beim letzen Sieg von Bayer Uerdingen gegen Bayer Leverkusen (2:1)
    beide Tore für Uerdingen, der war so gut.
    Ich war im Stadion – Andy Sassen forever!